Vom Gericht zur (Mohn-)Schnecke gemacht

Man kennt es – allzu heftiger Kuchengenuss rächt sich auf der Waage und durch kritische Blicke des oder der Liebsten. Der Verwaltungsgerichtshof Bayern hat nun allen fröhlichen Genießern einen weiteren Dämpfer verpasst. Beim Biss in den Kuchen muss man auch an den Führerschein denken.

Der prekäre Mohngenuss
Im konkreten Fall wurde bei einer Wohnungsdurchsuchung im Jahre 2009 eine ganze Auswahl von Drogen gefunden, zu denen LSD, Ecstasy und Marihuana gehörten. Der Mieter bekannte sich zum Drogenkonsum und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Mit vier Jahren Verzögerung meldete sich die Führerscheinbehörde mit der Aufforderung, ein medizinisch-psychologisches Gutachten beizubringen. Dazu gehörte auch ein Drogenkontrollprogramm für das mindestens sechs Urinscreenings durchgeführt werden mussten.
Den ersten Test bestand der Mann.

Nach eigenen Angaben war er seit 2009 drogenfrei. Beim zweiten Test allerdings, zwei Monate später, wurden im Urin erhöhte Opiatwerte festgestellt. Die Testreihe wurde seitens der Begutachtungsstelle abgebrochen. Führerscheinlos war der Mann dennoch nicht.

Er versicherte unter Eid, vor der Urinabgabe Mohnstollen und Mohnschnecken gegessen zu haben.
Dass die im Labor festgestellte Morphinkonzentration zumindest in der Theorie durch den Verzehr von Mohngebäck erklärbar sein könnte, räumte auch die Begutachtungsstelle ein.

Täuschungsmöglichkeit zählt
Der Führerschein wurde dann einige Monate später doch entzogen. Der Fall kam vor Gericht und der bayerische Verwaltungsgerichtshof entschied gegen den Kläger und für den weiteren Führerscheinentzug.
Der entscheidende Punkt in der richterlichen Entscheidung: Ob der Kläger nun tatsächlich drogenfrei ist oder nicht, spielt keine Rolle. Eine Rolle spielt aber, dass er den Drogentest verfälscht bzw. vereitelt hat, indem er Mohngebäck zu sich nahm.

Denn erstens ist die Wirkung von Mohn bekannt, besonders in der Drogenszene. Zweitens sei der Kläger vor dem Drogenkontrollprogramm schriftlich davor gewarnt worden, Mohn zu konsumieren. Drittens habe die Fahrerlaubnisbehörde klargemacht – ohne fristgerechtes Gutachten kein neuer Führerschein.

Eine Chance hat „unser“ Mann jetzt noch – erneuter Anlauf, im Kontrollprogramm seine Drogenabstinenz unter Beweis zu stellen. Dann gibt es wieder einen Führerschein. Und Mohnschnecken. Aber vorher nicht.

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