Verkehrsexperten: Cannabis bei Kraftfahrern wie Alkohol behandeln

Es ist gefährlich, unter Einfluss von Rauschmitteln ein Kraftfahrzeug zu führen. Das gilt sowohl für Drogenkonsum als auch für Alkoholgenuss. Während beim Alkohol durch Feststellung des Blutalkoholanteils in Promille die Intensität der Beeinflussung ziemlich treffend festgelegt werden kann, sind solche Verfahren bei Drogen eher weniger bekannt.
Im Falle von Cannabis kann Tetrahydrocannabiol als psychoaktiver Wirkstoff kurzfristig im Blut oder längerfristig im Urin nachgewiesen werden. Auch hier sind Abstufungen der Wirksamkeit feststellbar. Es lässt sich also bestimmen, wie stark die Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit nach Einnahme von Cannabis ist. Weil Cannabis in geringer Dosis auch aus medizinischen Gründen vom Arzt verschrieben werden könnte, ist es nun geboten, eine Bewertung durchzuführen, die der Bewertung von alkoholbedingten Einschränkung der Fahrtüchtigkeit entspricht. Nach bisheriger Rechtslage dürfen Kraftfahrer, die aufgrund einer ärztlichen Verschreibung Cannabis einnehmen, ein Fahrzeug führen, soweit sie sich selbst dazu in der Lage fühlen. Wer Cannabis konsumiert, ohne vorher den Arzt aufzusuchen, gilt als „unter Einfluss von Drogen“ und wird damit generell als nicht fahrfähig eingestuft. Der Führerschein wird in einem solchen Fall eingezogen.

Nicht das „warum“ soll entscheiden, sondern die Wirkung 

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat in diesem Jahr die Empfehlung abgegeben, eine Regelung einzuführen, die auch den verkehrsrechtlichen Gegebenheiten gerecht wird. Für die Frage, ob Zweifel an der Geeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen besteht, soll es nicht länger darauf ankommen, warum jemand Cannabis zu sich genommen hat, sondern, in welchen Mengen und mit welcher Wirkung er zur Droge griff. Die Verkehrsrechtsexperten sprachen sich dafür aus, wie beim Alkohol auch bei Cannabis verlässliche Grenzwerte einzuführen und dem Kraftfahrer die Möglichkeit zu geben, durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) seine Eignung nachzuweisen.
Wissenschaftliche Grundlagen zur Feststellung der Tetrahydrocannabiol-Konzentration, der Auswirkungen auf Psyche, Wahrnehmungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit und der Abbauzeiten der beeinträchtigenden Substanz sind bereits vorhanden. Nach der Änderung der Rechtslage bei Cannabis-Einnahme aus medizinischen Gründen ist es nun an der Zeit, die verkehrsrechtlichen Regelungen entsprechend anzupassen.

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