Radeln und Alkohol: eigener Schaden bewahrt nicht vor Strafe für Alkoholfahrt

Besonders in den ländlichen Gegenden Deutschlands hält sich die Sitte, den Himmelfahrtstag zum „Vatertag“ zu erklären. Väter und Nicht-Väter nutzen den Tag gerne als Alibi, sich alkoholisiert in Ausflugsgebieten, aber auch im öffentlichen Straßenverkehr zu zeigen. Beliebte Verkehrsmittel sind neben von Traktoren gezogenen Kremsern auch die eigenen Fahrräder.

Weder der Himmelfahrtstag, noch die Tatsache, dass er kein Vater war, konnte einen alkoholisierten Radfahrer jetzt davor bewahren, vom Amtsgericht Neu-Ulm zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt zu werden. Durch seine Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad, die mit einem Sturz endete, hatte er im Ergebnis zwar nur sich selbst und keinem anderen Verkehrsteilnehmer geschadet, aber auch für Radfahrer gilt die von einer Trunkenheitsfahrt ausgehende generelle Gefährdungshaftung mit und ohne Unfalleintritt.
Seine Erklärung, dass er nur aufgrund einer Ausnahmesituation auf dem Vatertagsfest etwas getrunken habe, glaubte ihm der Richter nicht, weil eine Blutalkoholkonzentration von 2,32 Promille festgestellt worden war. Die absolute Fahruntüchtigkeit (1,6 Promille für Radfahrer) hatte er also erreicht, als er auf sein Rad stieg. Aus der Tatsache, dass er unter derart erheblichem Alkoholeinfluss noch aufsteigen und sich auf zwei Rädern halten konnte, zog das Gericht die Schlussfolgerung, dass der Angeklagte daran gewöhnt sein musste, Alkohol zu trinken.

Seine Beteuerung, seit längerer Zeit aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol mehr getrunken zu haben, bewahrte den Angeklagten in Anbetracht der Messwerte und einer Zeugenaussage, die ihn als bewusstseinsklar beschrieb, nicht vor Verurteilung zu einer Geldstrafe. Bei der Bemessung der Tagessätze nahm das Gericht allerdings Rücksicht darauf, dass der Angeklagte durch den Sturz vom Fahrrad körperliche Schäden erlitten hat, die möglicherweise nicht ohne Folgen bleiben werden. Eine Gesichtshälfte beschreibt er in der Monate nach dem Sturz stattfindenden Verhandlung immer noch als „taub“. Die verhängte Geldstrafe bleibt mit 60 Tagessätzen im unteren Rahmen.

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