MPU für Fußgänger: selten, aber bei extremer Auffälligkeit nicht ausgeschlossen

Grundsätzlich gilt als verantwortungsbewusst, wer nach Alkoholgenuss den Wagen stehenlässt und sich zu Fuß auf den Heimweg macht. Voraussetzung sollte jedoch sein, dass die Koordinationsfähigkeiten noch für unfallfreies Gehen ausreichen. Anderenfalls kann auch ein alkoholisierter Fußgänger einen Verkehrsunfall verursachen.

Im schlingernden „Seemannsgang“ kann er andere Fußgänger umstoßen oder mit Radfahrern kollidieren. Durch unerwartetes Betreten der Fahrbahn kann er Autofahrer zu plötzlichen Notbremsungen zwingen.
Andere Kraftfahrer können möglicherweise nicht rechtzeitig reagieren, so dass es zu einem Auffahrunfall kommt. Obwohl die Benutzung öffentlicher Wege unter Einfluss von Alkohol selbst nicht unbedingt einen Straftatbestand erfüllt, können sich leicht einige unglückliche Umstände miteinander verketten und in Sekundenschnelle eine Situation herbeiführen, in der aus dem betrunkenen Fußgänger eine „wandelnde Gefahr“ wird.

Nicht nur Sachwerten, sondern auch Leben und Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer können gefährdet werden.

Muss schließlich die Verkehrspolizei zur Aufnahme eines solchen Unfalls gerufen werden, nehmen die Beamten auch den Tatbeitrag des alkoholisierten Fußgängers mit in ihr Protokoll auf. Hält sich ein Betrunkener auf öffentlichem Straßenland auf, stellt das keine Ordnungswidrigkeit oder Straftat dar, solange er nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt.
Kommen zum unsicheren Gang jedoch Aggressionen hinzu, ist der Schritt zur Strafbarkeit wegen Verkehrsgefährdung nur ein kleiner.

Ein Fußgänger kann den Verkehr gefährden, indem er Gegenstände auf die Fahrbahn wirft oder sicherheitstechnisch wichtige Absperrungen zerstört.
Erfährt die Führerscheinbehörde davon, dass der Inhaber einer Fahrerlaubnis als „gefährlicher“ Fußgänger aufgefallen ist, kann dieser zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) geladen werden.

Es besteht ein öffentliches Interesse daran, klarzustellen, ob jemand, der als Fußgänger unter Alkoholeinfluss randaliert, zuverlässig genug ist um ein Kraftfahrzeug zu führen. Hohe Blutalkoholkonzentration und Aggressivität sind dabei die ausschlaggebenden Beweggründe für Zweifel an der generellen Fahrtauglichkeit.

Während bei einer Alkoholfahrt ertappte Kraftfahrer den MPU-Termin wahrnehmen müssen, weil sie ihren Führerschein zurückhaben wollen, kann dem Fußgänger zunächst weder die Polizei noch ein Gericht den Führerschein abnehmen.
Hat die zuständige Führerscheinbehörde allerdings erfahren, dass gegen einen Führerscheininhaber ermittelt wird, weil er unter Alkoholeinfluss als Fußgänger den Verkehr gestört hat, kann sie mit der Entziehung des Führerscheins drohen, wenn der Betroffene seine generelle Fahrtauglichkeit nicht durch Teilnahme an einer MPU nachweist.

2 Gedanken zu „MPU für Fußgänger: selten, aber bei extremer Auffälligkeit nicht ausgeschlossen

  • 30. Juni 2016 um 14:19
    Permalink

    Hallo,

    ich bin ein großer Befürworter der „Fußfänger-MPU“ – es gibt immer wieder Menschen, die sich als Fußgänger unangemessen verhalten. Dieses Verhalten ist vermutlich bei vielen Leuten auch auf den fahrstil zu übertragen.

    Viele Grüße
    Julius

    Antwort
  • 19. Dezember 2018 um 15:34
    Permalink

    Mit Julius bin ich einverstanden. Gefahr für die anderen können ja auch die Passanten bringen, besonders wenn man ja betrunken über die Straße geht und das Rotlicht nicht sieht. Die Passanten sind ja wie die Fahrer auch Teilnehmer des Verkehrs! Eine tolle Idee!

    Antwort

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