Ein bisschen Beutelschneiderei geht immer

Der Verlust des Führerscheins ist ein ernsthafter Einschnitt in die persönliche Lebensführung, entsprechend steht die Rückkehr in die Liga der Fahrerlaubnis-Besitzer in der Priorität ganz oben. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, kurz MPU, ist in vielen Fällen die Hürde, die es zu überwinden gilt. Ein Hindernis, das durchaus ernst genommen werden will, selbst wenn viele der Legenden, Gerüchte und angeblichen Erfahrungsberichte aus der entfernten Bekanntschaft eher unter ´Latrinenparolen` einzuordnen sind.
Der Bedeutung der MPU entspricht die Zahl der Hilfsangebote, um sich auf die entscheidende Begegnung mit den MPU-Gutachtern vorzubereiten.

Der wahre ´Idiotentest`
Leider – oder vielmehr typischerweise – gibt es auch unseriöse Angebote. Man mag es für eine Realsatire halten, aber manche Kurse werben damit, den MPU-Kandidaten per Schauspielunterricht vorzubereiten.
Zur Kommentierung solcher Angebote drängt sich ein Begriff auf, und der soll hier auch genutzt werden: Schwachsinn!
Wer Geld für einen solchen Kurs ausgibt, hat den wahren Idiotentest schon nicht bestanden. Oder, aus anderer Sicht, er hat sehr wohl bewiesen, dass er ein Idiot der besonderen Güte ist.
Eine harte Einschätzung, die einer kurzen Erläuterung bedarf.
Zwei Punkte.
Erstens. Die Bezeichnung Idiotentest bedeutet nicht, dass man von Idioten getestet wird. Anders ausgedrückt, die MPU-Gutachter sind darauf geeicht, die Schaueinlagen der Kandidaten zu durchschauen. Mimische Höchstleistung einmal beiseite gelassen, werden die Schauspieleleven aus der MPU-Vorbereitung krachend gegen die Wand laufen.
Dies war das praktische Element. Aber wir wären nicht in Deutschland, wenn jetzt nicht noch ein moralisches Argument kommen könnte.
Und das lautet schlicht und einfach: He, du Pappnase, wieso bist du überhaupt in diese Bredouille gekommen? Ach so, mit den Kumpels oder den anderen Mädels gebechert und dann ganz easy on the road, man hat ja alles im Griff. Die paar Schlangenlinien, die dämliche Polente hatte bloß keine Lust, sich mit den echten Bösewichten anzulegen, darum haben sie dich rausgewinkt.
Und genau da haben wir es. Weil, du Pappnase, du vielleicht in der nächsten flott genommenen Kurve den Bully von Irmhild Schröder samt der Nachwuchsabteilung des FC Bitzenbach final gegen den nächsten Baum gerammt hättest.
Weil du ein verdammtes Problem hast, wenn du dich mit Promille hinters Lenkrad setzt oder dich anderweitig im öffentlichen Verkehr austobst.
Und genau hier setzen die seriösen MPU-Vorbereitungskurse an. Nicht bei der Fassade, sondern bei den Problemen, die hinter der Fassade sind.
Damit man wieder ein ganz langweiliger Autofahrer werden kann. So einer dieser unauffälligen Typen.

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